Wettkampfrudern

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Wettkampfrudern
Donnerstag und Freitag herrschte ein Bilderbuchwetter. Den Auftakt machten wir im Doppelvierer, Altersklasse D, mit Frank, John, Jörg und Johns ehemaligem Ruderkamerad Chris Skuse aus Warwick, der kurzfristig für Engelbert Kigele einsprang. Obwohl Chris ab 500 Meter immer wieder zehn harte Schläge forderte und wir dem im Rahmen unserer Möglichkeiten dem auch nachkamen, reichte es nur für einen dritten Platz (von sieben Mannschaften) in einer Zeit von 3´18´´ (Sieger 3´12´´). John und Jörg machten sich im Doppelzweier, Altersklasse C, einige Stunden später auf den Weg. Auch hier konnte ein dritter Platz in einem Feld von sieben Booten in 3´32´´ (Sieger 3´22´´) erreicht werden.

Am Freitag Abend, nachdem das letzte Rennen über die Strecke gegangen war, türmten sich bedrohliche Gewitterwolken im Westen auf, die nichts Gutes ahnen liessen. Nach Mitternacht brach ein heftiges Gewitter mit starken Windböen aus, die mich den Augenblick verfluchen liessen, an dem ich mich entschlossen hatte, mit meinem Zelt auf dem nahegelegenen Campingplatz zu nächtigen. Das Zelt flatterte nämlich die ganze Nacht derart, dass nicht daran zu denken war, auch nur etwas Schlaf zu bekommen.
Jörg war mittlerweile zu seiner am Vortag angereisten Frau Petra ins Hotel gezogen, eine weise Entscheidung, wie der Sturm zeigte. Unausgeschlafen kroch ich am Morgen aus meinem Zelt in der Annahme, die Regatta würde vertagt. Denn obwohl inzwischen sonnig, blies ein kräftiger Gegenwind von Westen über die Strecke.
Als ich mich aufmachte, um die Lage zu sondieren, stellte ich erstaunt fest, dass die Rennen pünktlich abgespult wurden. Schaumkronen auf den Wellen!
John und Jörg waren bereits unterwegs im Doppelzweier, diesmal Altersklasse B. Es war ein harter Kampf gegen Gegner und den Tücken des Wetters, der sich auch in den gefahrenen Zeiten bemerkbar machte, nämlich durchgehend ein halbe Minute länger als am Tag zuvor. So kamen John und Jörg als Fünfte durchs Ziel in 4'25'' (Sieger 4' 05''; der Vergleich mit John und Jörgs Zeit des Vortages erlaubt Rückschlüsse auf die stark geänderten Wetterbedingungen.). Hiervon waren allerdings alle Mannschaften in gleicher Weise betroffen.
Mit einem mulmigen Gefühl machten sich Frank und Jörg im Doppelzweier, Altersklasse D, auf den Weg. In einem Feld von sieben Booten war höchste Konzentration gefordert, um halbwegs sauber über die Strecke zu kommen. Als ich es wagte zum ersten Mal bei ca. 400 Meter links und rechts zu schauen, bemerkte ich, dass wir im vorderen Feld von drei Booten gut positioniert waren, während die restlichen vier Mannschaften schon zwei bis drei Längen hinter uns lagen. Ein Zwischenspurt ließ uns einen Vorsprung von etwa einer Länge auf halber Strecke herausarbeiten. Normalerweise sorgt das für Entspannung. Nicht aber wenn der Wind pfeift und die Wellen gegen das Waschbord donnern. Gegen Ende kamen wir in etwas ruhigere Gewässer und konnten den Abstand auf das verfolgende finnische Boot halten und sogar etwas ausbauen. Am Ziel waren etwa zwei Längen zwischen uns und den Finnen. Zeit: 4´07´´, etwa ein halbe Minute länger als das, was Jörg und ich im Training für die 1000m-Strecke benötigen. Der Sieg unter diesen schwierigen Bedingungen hat uns riesig gefreut!
Die World Masters Regatta in Wien war ein Mammutevent: 3500 Ruderer in ca. 1600 Boote gingen innerhalb von vier Tagen gleich mehrmals auf die 1000m-Strecke. Damit kann diese Regatta für sich beanspruchen, die größte auf der Welt zu sein. Alle drei Minuten wurde ein Rennen mit anschließender Siegerehrung abgewickelt, allein dies schon eine logistische Meisterleistung, insbesondere unter widrigen Wetterbedingungen wie sie am Samstag und Sonntag herrschten. Die ältesten Teilnehmer waren der Schweizer Charles Eugster mit 91 Jahren und die Australierin Nelly Brandsma mit 84. Dagegen ist unser Ludwig Berberich mit seinen 76, der diesmal allerdings für den MRC startete, ein Jungbrunnen! Bei den meisten Rennen war ein relativ starkes Auseinanderdriften zwischen schnelleren und langsameren Mannschaften zu beobachten, also die durchtrainierten Ehrgeizigen vorne und die Genussfahrer hinterher, wobei jeder auf seine Weise sein Bestes gibt.
Es bleibt zu hoffen, dass im kommenden Jahr, wenn die Euro-Masters Regatta in unseren heimischen Gewässern in Oberschleißheim stattfindet (30.7-2.8.10), eine etwas regere Beteiligung der RGM-Masters zu verzeichnen sein wird.